Das erste Jahr als Trauerredner

Ein Erfahrungsbericht von Dr. Edgar Hartz aus Bad-Soden / Taunus

Vor einigen Tagen war es soweit: meine 50. Trauerfeier stand an und ich war stolz auf das bisher Erreichte.

Eine spannende und ereignisreiche Zeit lagen zwischen Beginn der Ausbildung im Herbst 2018 bei der Human Network Trauerredner Akademie in Rödermark, dem erfolgreichen Abschluss als zertifizierter Trauerredner im Dezember 2018 und dem Start in die neue Berufswelt.

Um das vielfach Gelernte in die Praxis umzusetzen, bin ich im neuen Jahr die Arbeitsmaßnahmen zügig angegangen. Zunächst galt es, das Handwerkszeug wie Flyer, Visitenkarte und Homepage zu gestalten, was mit Unterstützung, Erfahrungsaustausch und vielen Telefonaten mit den „Ehemaligen“ zügig von statten ging. Nach wenigen Wochen lagen die fertigen Entwürfe auf dem Tisch und konnten in Druck gegeben werden. Auch die Homepage nahm Gestalt an, die Internet-Adresse war definiert, so dass dem Außenaufritt nichts mehr im Wege stand.

Dann kam die alles entscheidende Frage, die wir im Bereich Marketing vertiefend behandelt haben: wie komme ich den jetzt an meine Aufträgen?

Aus der Erfahrung meiner früheren Tätigkeit als Unternehmensberater kannte ich diesen Themenblock zu genüge. Viele gut gemeinte Ratschläge von außen, wie z.B. „Ran an die Bestatter“ war nur eine der gut gemeinten Aufforderungen, um flott voranzukommen. Jetzt galt es, professional an die Sache ranzugehen, wobei ich immer noch den Ratschlag von unserem Akademie-Leiter, Martin Schneller in den Ohren hatte: „Hier ist nicht der knallharte Vertriebsprofi gefragt, sondern die einfühlsam agierende Person, die auch zuhören kann“.

Gesagt, getan; das zu akquirierende Gebiet bzw. deren Städte wurde abgesteckt, die Adressen der Bestattungsinstitute identifiziert und schon waren die ersten Termine mit den zuständigen Mitarbeitern vereinbart. Die Gespräche bei den Instituten liefen recht gut, Flyer und Visitenkarten fanden Gefallen und das Interesse war überraschenderweise hoch, was mich in den ersten Wochen recht euphorisch werden ließ.

Prompt kam nach fünf Wochen eine erste Anfrage für eine Trauerfeier, die ich mit meiner ganzen Energie in Angriff nahm. Immer und immer wieder wurde der Schulungsordner gewälzt: was ist beim Abschiedsgespräch mit den Angehörigen alles zu beachten, welche Fragen sind zu stellen, was muss ich mir auf meinem vorab kreierten Datenblatt alles notieren? Fragen über Fragen, die sich vielfältig durch meine Unterlagen beantworten ließen. Voller Stolz fuhr ich nach Hause, als ich von den Angehörigen das Lob mit auf den Weg bekommen habe, das ich die Trauersituation „sehr einfühlsam“ bewerkstelligt habe. Zu Hause angekommen, ging es sofort an den PC um das Gehörte in ein erstes Redekonzept umzusetzen.

Leichter gesagt als getan. Was hat uns Thomas (Dr. Oser) in seiner Schreibwerkstatt gelehrt? Wieder wurde das Kapitel aus dem Schulungsordner herangezogen, strukturiert, gegliedert, der Rohtext geschrieben („das hört sich ja furchtbar an“), verworfen, neu geschrieben, überarbeitet, den Text ruhen lassen, verzweifelt Thomas, Martin und Gisela (Köller) angerufen, bis letztendlich zwei Tage vor Termin die Rede final geschrieben war. Jetzt galt es, sich in Ruhe auf die Trauerfeier vorzubereiten. Sehr hilfreich war auch in diesem Falle die von der Akademie zur Verfügung gestellt Checkliste, in der alle wesentlichen Elemente im Detail beschrieben sind und einen guten Fahrplan liefern.

Einen Tag vor der Trauerfeier fiehl mir urplötzlich Sabines (Velfe) Stimm- und Sprechtraining ein, was ich in all den Wochen völlig aus den Augen verloren habe. Jetzt musste auf die Schnelle das Manuskript mit den Inhalten wie Kieferweite, Kehlweite oder Artikulation herhalten und insbesondere das Kapitel „Lampenfiebertraining“ wurde intensiv bearbeitet, das mir in diesem Stadium ein wichtiger Wegweiser war. Ganz lustig empfand ich auf der Fahrt zum Friedhof, als ich meine Sprechübungen im Auto vornahm und mich so manch vorbeifahrender Autofahrer ungläubig beäugte.

Jetzt stand ich also in der großen Trauerhalle, wie man es uns gelernt hatte eine Stunde vor Beginn, bewaffnet mit all den erforderlichen Utensilien wie Wasserflasche, Hustenbonbons etc., immer wieder prüfend auf den korrekten Dresscode achtend, Abstimmung mit Bestattungsinstitut sowie Friedhofpersonal (Musikprobe, Ablauf, welchen Eingang soll ich wählen, wo ist die Grabstelle, wann soll die Urnen- bzw. Sargabsenkung stattfinden u.v.m.) und meiner kaum zu unterdrückenden Nervosität.

Die Glocken läuteten, die Einzugsmusik startet, nach zwei Minuten mein Einmarsch mit Ehrenbezeugung vor dem Sarg, seitliches Aufstellen und dann begann meine erste Trauerrede. Was ein Augenblick, den ich Zeit meines Lebens nicht vergessen werde.

Kaum zu Ende, kam die nächste Herausforderung: die Grablegung. Zu Haus habe ich mir nochmals sehr aufmerksam alle Elemente der Grablegung zu Eigen gemacht. Dazu verinnerlichte ich mir die Punkte wie Trauerredner folgt als Erster der Urne/Sarg, langsam laufen, beobachten der Trauergemeinde bzgl. Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte, genügend Abstand zum Sarg (enge Gassen auf dem Friedhof), etc. Auch dieser Teil lief ohne große Probleme ab und mit einer ganz großen Dankbarkeit und Zufriedenheit trat ich den Heimweg an. Insbesondere mit dem Gefühl, dem Verstorbenen noch etwas Gutes mit auf den Weg gegeben zu haben und den Angehörigen einen würdevollen Abschied gestaltet zu haben.

Was bleibt, ist die Genugtuung, eine solch kompetente und praxisorientierte Ausbildung wie bei Human Network absolviert zu haben, eine sinnvolle und würdevolle Tätigkeit in einem neuen Beruf gefunden zu haben, der mir eine ganz große innere Befriedigung vermittelt.

Bad Soden, im Juli 2019

Dr. Edgar Hartz